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Aus dem Leben einer Pacerin – Erea aus London erzählt

Es gibt eine ganz bestimmte Sorte von Sportlern, die früher ich als Stabhochspringerin immer sehr neugierig von meiner Bank aus beobachtet habe: Die Pacemaker. Als Springer braucht man ja niemanden, um das Tempo des Laufs fest zu setzen, oder besser abzuspringen – deshalb fand ich die Figur des Pacemakers immer faszinierend. Damals ahnte ich noch nicht, dass meine Leidenschaft für den Sport und die Chance, mit einer Marke wie Nike arbeiten zu dürfen, mich einmal selbst einmal zu einem Pacer, dem unbekannten Wesen, machen würde.

Vor etwa 3 Jahren fragte mich der Niketown London, der in unserer Stadt einen Run Club anbietet, ob ich bei ihnen als Pacemaker aushelfen wollte. Das war für mich ein völlig anderer, neuer Blickwinkel – Sport ohne Wettkampf?

Aus dem Leben einer Pacerin

Von 5k Parkläufen bishin zu internationalen Marathons sind Pacemaker Teil der Laufkultur auf allen Leistungsebenen. Wir treten nicht bei einem Rennen an, um es zu gewinnen oder eine neue persönliche Bestzeit zu erreichen, sondern um anderen Läufern zu helfen, schneller zu laufen und ihre Zielzeiten zu erreichen. Ich war mir anfangs nicht bewusst darüber, wie viel Arbeit mir diese Aufgabe bescheren würde. Im Gegensatz zu professionellen Pacemakern, die extrem schnell laufen und das Rennen oft ab der Hälfte verlassen, da sie das gewünschte Tempo und damit die Weichen für die Zielzeit des Atlethen gestellt haben, ist die Aufgabe für Amateur-Pacemakern nicht ganz so einfach …

Um den Laufclub erfolgreich zu machen, braucht es mehr als nur einen kurzen Hype, und sowohl die Sportmarke, die solch einen Run Club anbietet, als auch die Pacemaker müssen sich bestimmte Ziele setzen, auf die sie gemeinsam mit ihren Mitgliedern hinarbeiten können. Pacermaker müssen dabei nicht nur langsam mit den Mitgliedern auf die Langstreckenläufe hintrainieren, sondern auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Zuverlässigkeit vermitteln – egal ob es reget oder hagelt, wir treffen uns immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort.

Wir versuchen, unsere Mitglieder zu inspirieren und zu ermutigen, ohne dabei den Wettbewerb innerhalb der Gruppe zu fördern. Dazu bieten wir den sozialen Vorteil der sportlichen Aktivität mit Freunden, ohne eine teure Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Wenn alle richtig motiviert sind und sich nach und nach das Tempo der gesamten Gruppe steigert, heißt dass das wir nicht nur eine gute Motivationsquelle sind, sondern eben auch Ergebnisse erzielen. Abgesehen davon bieten wir auch all denjenigen einen Platz in unserer Gruppe, die nur zum Spaß oder zur Erholung laufen möchten und denen ihr Tempo egal ist.

Aus dem Leben einer Pacerin

Für regelmäßige Teilnahme, Engagement und Leistung werden alle Teilnehmer belohnt – zum Beispiel mit limitierten Auflagen, speziellen T-Shirts und diversen Veranstaltungen. Dies ist auch der Grund, warum viele Läufer bei einem Lauf-Club mitmachen möchten. Aber was so eine Gemeinschaft für einen Pacemaker bedeutet, werden wir nicht sehr oft gefragt und Jenny hat mich ein wenig zum Nachdenken gebracht.

Alle Pacer, die ich kenne, leben für den Sport. Wir alle haben unsere Trainingspläne und wir alle konkurrieren auf unterschiedlichen Ebenen, einige von uns waren Athleten, einige von uns sind es noch, einige von uns sind angehende Athleten, und wir alle haben unterschiedliche Ziele. Am Anfang dachte ich, ich könnte den Lauf Club als Teil meines Trainings nutzen, aber diese Ansicht änderte sich bald. Eine Laufgruppe zu führen bedeutet manchmal, sich nur im Schneckentempo zu bewegen, um sich einer Gruppe, die langsamer ist als man selbst, anzupassen. Deshalb ist unser bester Freund am Abend dann auch der Foamroller (sehr langsames Laufen macht besonders schlimmen Muskelkater … wer hätte das gedacht?). Außerdem muss man in der Lage sein, immer wieder auf und ab zu laufen, um mit den Teilnehmern zu sprechen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Aus dem Leben einer Pacerin

Und dann ist da auch noch die Zeit, die man braucht, um geeignete Routen herauszusuchen, die Intervall-Trainingsstunden zu planen, sich Ideen und Themen für Specials auszudenken, und nicht zu vergessen die administrativen Aufgaben  (dafür muss ich glücklicherweise nicht so viel tun, aber viele andere schon), um sicherzustellen, dass alles reibungslos funktioniert und z. B. ausreichend Verpflegung vorhanden ist.Es hat mir wirklich schon viel abverlangt und ich habe hin und her überlegt, ob ich es weitermachen sollte, ob es das wert war – und hey ,was bin ich froh, dass ich nicht aufgehört habe!

Seit ich angefangen habe asl Pacerin zu arbeiten, habe ich gesehen, wie Menschen sich verbessert haben, wie sie wirklich gut wurden und anfingen, ihren Körper zu verstehen. Das ermöglichte ihnen, so gut zu laufen wie nie zuvor – und das auch dank uns Pacern.
Ich denke, alle Pacer würden mir zustimmen, wenn ich sage dass die Früchte, die man nach einiger Zeit ernten kann, absolut unbezahlbar sind. Man fühlt sich als ein besserer Mensch und mir gibt es das Gefühl, dass ich endlich einen Beitrag zu etwas Gutem leisten kann – etwas, das den Menschen hilft, gesünder und glücklicher sein.

Aus dem Leben einer Pacerin

Nicht nur unsere Läufer bekommen ein Zugehörigkeitsgefühl – unsere Mitglieder geben dem, was wir Pacer tun, einen Sinn. Wenn sie sich verbessern, wissen wir, dass wir einen guten Job machen.
Beim diesjährigen London Marathon habe ich die #cheerdemcrew begleitet, um etwas #crewlove an alle teilnehmenden Läufer zu übertragen. Die Atmosphäre hätte nicht besser sein können: Konfetti, laute Musik, Anfeuerungen, Umarmungen, Tränen, Schweiß … Solch eine Unterstützung habe ich seit meiner Leichtatlethikzeit nicht mehr in einer Gruppe gesehen!

Ich habe noch einen langen Weg vor mir  und ich kann nur weiser und besser werden, aber eine Sache ist sicher: Ich würde die wertschätzenden, zufriedenen und freundlichen Worte meiner Läufer niemals gegen eine schnellere Bestzeit oder irgendetwas anderes eintauschen wollen!

Das Herz eines Freiwilligen wird in der Größe nicht durch die Tiefe der Verpflichtung gemessen, sondern darin, einen Unterschied im Leben anderer zu machen. DeAnn Hollis

Erea ist gebürtige Spanierin und lebt zur Zeit in London. Sie bloggt auf quiensigueaquien über das Laufen und ihr Leben.

Aus dem Leben einer Pacerin

1 Comment

  1. Din

    9. July 2014 at 12:40

    Was für ein interessanter Bericht. Lieben Dank dafür. So habe ich das Laufen natürlich auch noch nie gesehen, aber die Pacemaker sind in meinen Augen wahre Helden. Nun weiß ich, dass es dabei egal ist, ob Profi oder Amateur.

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