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All Incusive & der Schweinehund – Ein Urlaubsmärchen

Als ich aufwache, höre ich das Rauschen der Wellen vor meinem Fenster. Ich drehe mich verschlafen zur Seite, so gut das eben geht, mit dem obligatorischen Sonnenbrand, den ich mir gestern geholt habe, und dem dicken Bauch, in dem noch immer ein Großteil des gesamten Buffets von gestern Abends hin und her wackelt. Die Sonne strahlt ganz selig vom klaren blauen Himmel und ich stelle mir gerade vor, wie ich einen traumhaften Morgenlauf direkt am Meer hinlege, da schnarcht etwas neben mir. Erschrocken fahre ich herum, und da liegt er: Mein innerer Schweinehund! Wer hat den denn eingeladen? Tja, willkommen in der All Inclusive-Urlaubswelt!

So ein Urlaub versetzt einen Otto-Normal-Sportler wie mich in einen tiefsitzenden Zwiespalt. Im Vorhinein plane ich natürlich genau, an welchem Tag ich welches Workout machen kann. Ich stopfe meinen Koffer voll mit Powerbands, TRX-Schlingen und einer Yogamatte und erkundige mich genau, welche Ausstattung der Fitnessraum vor Ort hat. Ich überlasse nichts dem Zufall und bin topmotiviert, mein Training auch im Urlaub voll durchzuziehen.

Blöd nur, wenn das Gepäck dank Hanteln und Co. So schwer ist, dass man nicht bemerkt, wenn sich ein blinder Passagier mit ins Hotelzimmer schmuggelt. Mein innerer Schweinehund hat vermutlich alles richtig gemacht, denn nie hatte er es so einfach mich für seine Lieblingsbeschäftigungen zu begeistern: Schlafen, essen, in der Sonne faulenzen und dann wieder essen. Ich würde sogar behaupten, dieses „all inclusive“ ist eine Erfindung irgendeines richtig dicken Schweinehunds, der an ein paar gewiefte Marketingleute geraten ist. „Erzählen wir den Leuten, wie toll es ist, dass sie sich bis zum Erbrechen vollfuttern können!“ Und alle Schweinehunde so: Yeah!

Tatsächlich verleitet All Inclusive sogar Menschen, die sich das ganze Jahr über gesund und ausgewogen ernähren, dazu sich so richtig gehen zu lassen. Ich schließe mich da bedingungslos ein. Die Auswahl am Buffet ist so überwältigend, so lecker, so einmalig. Zuhause würde ich mir nie ein Glas Nutella kaufen, hier greife ich es mir und löffele es in Windeseile aus, bevor mir eines der Kinder am Frühstücksbuffet zuvor kommt. Zuhause gibt es nur Eiklar-Pancakes, hier haue ich mir den Teller voll mit Rührei. Zuhause habe ich einen „Carboloading“-Day in der Woche, hier schmiere ich mir ein Vollkornbrot nach dem anderen. Und zwar jeden Tag. Im Urlaub ist jeder Tag Cheat Day, wenn es nach meinem inneren Schweinehund geht.

Und natürlich ist für ihn auch jeder Tag Rest Day. Mein Sportequipment hat er in die hinterste Ecke des Zimmers verbannt, wo selbst die Putzfrau es nicht finden würde, und statt Sportklamotten zwingt er mich in Schlabbershorts und Bikini. Ich weiß schon jetzt, dass mein so sauber durchstrukturierter Workoutplan höchstens als Butterbrotspapier für eine meiner unzähligen Stullen herhalten kann. „Du bist schließlich nur eine Woche hier, die willst du doch genießen“, flüstert mein Schweinehund. „Du arbeitest das ganze Jahr über so hart. Jetzt gönn dir mal etwas!“

Wenn einem jemand so etwas ins Ohr säuselt, dann fällt es schwer, nicht einzuknicken. Kennt ihr das Lied: Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr? Eben. Urlaub ist nur ein Mal im Jahr. Also scheiß drauf.

Tatsächlich geht es im Urlaub ja darum, sich zu erholen. Dinge, die wir im Alltag gerne tun, wie etwa unsere regelmäßigen Laufrunden zu drehen oder ins Fitnessstudio gehen, geben uns zuhause Routine und Entspannung. Im Urlaub durchbrechen wir diese Routine – das ist auch Sinn der Sache. Wir sind an einem anderen Ort, führen für kurze Zeit ein anderes Leben, das nichts mit unserem Alltag zu tun hat. Wir entdecken ferne Länder, bummeln am Strand entlang, wandern durch die Berge oder schwimmen im Meer. Dafür ist ein Urlaub da – nicht dafür, uns selbst Stress zu machen, weil wir sieben Tage lang mal keine 50 Sit-Ups gemacht haben oder keine Lust hatten, unsere Laufschuhe zu schnüren. Stattdessen haben wir vielleicht 1000 Kalorien beim Powershoppen in Barcelona verbrannt, oder sogar 2000, weil wir den ganzen Tag im Meer geschwommen und gegen die Wellen gekämpft haben. Vielleicht haben wir auch mal zwei Tage lang nur faul herum gelegen – so what? Wer sich den Rest des Jahres über abstrampelt, der darf seinem Körper auch ruhig mal ein paar Tage Ruhe gönnen. Das freut dann auch den Schweinehund – und er lässt sich vollgefuttert und maximal entspannt in einer Ecke nieder, wenn wir wieder zuhause sind und mit unserem Trainingsplan weitermachen.

Ohne lästigen Schweinehund und mit ganz viel neuer Energie!

In diesem Sinne: Genießt euren Urlaub!

Jennys Fitness Kolumne auf beingfitisfun

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