Connect
To Top

Aroo! Die schönsten Schmerzen des Jahres durchlebten wir beim Spartan Race in Köln!

Mit einem Eiskaffee in der Sonne liegen, das Gras unter den nackten Füßen spüren und im Hintergrund plätschert das Wasser unter den Schritten der anderen, die sich im Badesee vergnügen … So sieht für viele ein perfekter Frühsommertag aus. Wieso aber nicht mal den See gegen eine Moto-Cross-Strecke tauschen? Wasser, Gras, nackte Haut und Badestunden konnte uns nämlich am vergangenen Samstag auch das kleine Örtchen Wiehl in der Nähe von Köln bieten – wenn auch beim REEBOK SPARTAN RACE noch etwas Stacheldraht, Sandsäcke, Feuer und ziemlich anspruchsvolle Steigungen dazu kamen. Und das Verrückte: Es war unfassbar geil und definitiv jedem Tag am Badesee vorzuziehen!

Samstagfrüh, 8 Uhr. Wir sitzen beim Frühstück im Hotel Ponyhof, einem kleinen gemütlichen Gästehaus mitten in der Pampa. Keine Spur von WLAN, geschweige denn 3G – zwei Stadtmädchen in der Mitte von Pferden, Hühnern und Ziegen. Während wir in unsere Nutellabrote beißen, geniessen wir die Aussicht durch das Küchenfenster des Hofs. Hach, diese schönen, grünen Berge, die so idyllisch empor ragen … Wir wissen nicht, dass dies der letzte Moment des Tages ist, in dem wir uns über den Anblick von Bergen und Hügeln freuen.

Spartan Race Köln 2014 Bericht

Let’s get ready to rumble!

Nur eine Stunde später stehen wir nämlich schon mitten auf dem Eventgelände in Wiehl, das normalerweise von Moto-Cross-Fahrern genutzt wird. Heute tummeln sich hier allerdings um die 3.500 Läufer, die alle nichts besseres mit ihrem Wochenende anzufangen wissen, als sich im Matsch zu wälzen und trotz Schmerzen und völliger Erschöpfung dümmlich zu grinsen. Spartaner nennen sie sich, ein zähes Volk, die das Motto „Dein Workout ist mein Warmup“ leben. Und wir gehören heute auch dazu. Wohin das Auge sieht, marschieren durchtrainierte Männer oberkörperfrei hin und her – wenn nicht der matschige Boden und die nervös-angespannten Gesichter wären, könnte man meinen, man hätte sich auf eine Modenschau auf der Fashion Week verirrt. Germanys hottest Top-Spartaner, oder so ähnlich.

[slideshow_deploy id=’6872′] So richtig wussten wir nicht, auf was wir uns einlassen, als wir uns für das SPARTAN RACE angemeldet haben. Der Veranstalter hatte relativ lange ein Geheimnis um die Strecke und die Hindernisse gemacht, und deshalb sind wir nun doch etwas unruhig. Wir starten in der SPARTAN SUPER Distanz, die etwas mehr als 12 Kilometer umfasst. Am Nachmittag können auch weniger lauffreudige Spartaner auf die Strecke – beim SPARTAN SPRINT mit etwa fünf Kilometern und 15 Hindernissen. Wenn schon, denn schon, dachten wir uns – aber ob das so eine gute Idee gewesen ist …? Egal welche Distanz man wählt, der Lauf erfordert eine Menge Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit, Balance und Koordination. Es ist kein Geheimnis, dass ich außer Ausdauer und Kraft nicht wirklich etwas beizusteuern habe. Das kann ja heiter werden!

Wir haben gerade mal grob einen Teil des Veranstaltungsgeländes erkundet und einige nasse, offensichtlich sehr anspruchsvolle Abschnitte der Strecke gesichtet, da rast der erste Spartaner schon ins Ziel. Nach nur 57 Minuten. Die Strecke ist wie gesagt mehr als 12 Kilometer lang und beherbergt 21 Hindernisse! Birte und ich gucken uns sprachlos, aber auch etwas beruhigt an, denn wenn jemand in so einer super Zeit durchkommt, dann können die Hindernisse ja nicht so wild sein, oder? Tja … Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, wie hart die Strecke wirklich ist, wären wir garantiert vor dem schmerzlosen Sieger auf die Knie gegangen vor Ehrfurcht und im Anschluss daran so schnell wie möglich geflohen!

[slideshow_deploy id=’6856′]

Die Nervosität macht sich breit

Kurz darauf kriecht die erste Frau im Matsch unter dem Stacheldrahtfeld hindurch. Sie zieht sich am Seil auf das vorletzte Hindernis hinauf, klettert die Bretterstufen hinunter und springt dann mit letzter Kraft über eine Feuerwand – so viel zum Thema Hindernisrennen und Frauen! Zunächst sind wir noch euphorisch, dass auch wir zumindest annähernd so fit und mühelos über die Zielgeraden kommen werden, doch je mehr Läufer sich an uns vorbeiquälen, desto mehr Angst macht sich breit. Ein Hindernis nicht zu schaffen, das ist das eine. Aber zur Strafe 30 Burpees zu machen, das ist das andere. Als mir diese Zahl entgegenschlägt, vergesse ich kurz zu atmen. “Wir laufen also 12 Kilometer, überqueren 21 Hindernisse und zwischendurch machen wir auch noch pro versiebtes Hindernis 30 Burpees?” Ich muss nervös lachen, als ich diese Frage laut stelle, denn – mal ehrlich – wer von uns ist denn nicht schon bereits nach 30 Burpees fix und fertig?

[slideshow_deploy id=’6858′] Mit einem Banana-Oatmeal-Riegel stärken wir uns nochmal, bevor wir uns langsam auf den Weg zum Start machen. Dort geht es bereits seit 9 Uhr morgens im 15-Minuten-Takt für kleine Startgruppen raus auf die Strecke, was durchaus sinnvoll ist, um die Wartezeit an den Hindernissen so gering wie möglich zu halten. Unsere Welle umfasst um die 30 Leute und beinhaltet so ziemlich jedes Leistungsniveau: Von großen, durchtrainierten CrossFit-Anhängern über kleine, rundliche Mädchen und Normalos, die nicht gerade so aussehen, als würden sie täglich fünf Stunden Sport betreiben, bishin zu spindeldürren Leichtathleten oder bierbäuchigen Studenten ist alles vertreten. Der Mädchenanteil ist erfreulich hoch – wenn wir uns auch eher im hinteren Drittel des Startblocks aufhalten und die Herren der Schöpfung ganz vorne ihr animalisches, furchterregendes “Aroo! Aroo! Aroo!” brüllen lassen.
Damit niemand auf der Strecke in Verlegenheit gerät, dürfen wir alle noch einmal zuschauen, wie richtige Burpees aussehen – und dann natürlich selbst welche machen. Zehn Stück im Wechsel mit kurzen Sprints auf der Stelle. Mein Puls kommt auf Hochtouren. Und dabei haben wir noch nicht mal einen Fuß auf die Strecke gesetzt! Kann man vielleicht noch kneifen?

[slideshow_deploy id=’6859′]

Aroo! Die Spartaner ziehen los – Teamspirit inklusive

“Was seid ihr heute?” brüllt in diesem Moment unser Warm-Upper und ihm schallt ein ohrenbetäubendes “Spartaner!” entgegen. “Was seid ihr?” “SPARTANER!” Das mit dem Kneifen hat sich definitiv erledigt, denn schon setzt sich der Mob aus “Aroo”-rufenden Kriegern in Bewegung. Die ersten hechten ganz schön los – da hat wohl jemand Hummeln im Hintern. Neben mir sagt ein Typ zu seinem Kumpel “Mir hat jemand gesagt, dass wichtigste ist, sich die Kräfte gut einzuteilen”. Mein Reden. Also laufen wir in einer Gruppe aus etwa 12 Leuten ganz gemütlich – ungefähr hundert Meter, bis zur ersten Steigung. Dann geht die Hälfte, die andere beißt die Zähne zusammen und läuft weiter. Hinter der nächsten Kurve wartet allerdings die nächste Steigung, so dass auch Birte und ich die stille Übereinkunft treffen, ein paar Schritte zu gehen, um den Puls nicht bereits am Anfang hochzutreiben.

[slideshow_deploy id=’6860′] Die ersten Hindernisse sind besonders für kleine Menschen wie mich etwas tricky: Hürden, über die man klettern muss. Da ich nicht gerade ein Springtalent bin, bin ich heilfroh, dass ein paar Jungs uns Mädels über die Holzwände helfen, so dass keine von uns schon nach fünf Minuten die ersten Straf-Burpees machen muss. Wir merken schnell: Teamwork steht beim Spartan Race ganz hoch im Kurs! Alle Spartaner helfen sich gegenseitig an den Hindernissen oder ermutigen sich gegenseitig, wenn der Respekt vor dem Hindernis jemanden zurückhält. Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung, denn bei anderen Laufveranstaltungen geht es für viele einzig und allein darum, ihre eigene Bestzeit zu knacken und dabei nicht nach links oder rechts zu schauen. Bis zu einem gewissen Punkt ist das natürlich völlig okay – wenn man jedoch so egoistisch ist, dass man seinen Mitläufern Ellenbogen in die Seite rammt oder so unverantwortlich überholt, dass der andere Läufer fast auf die Nase fliegt, dann kommt mein Verständnis definitiv an seine Grenzen.

Es geht nämlich auch wirklich anders. Das zeigen die vielen ambitionierten Sportler beim Spartan Race, unter ihnen viele ehrgeizige CrossFitter. Die haben das Prinzip “Bestleistung – aber gemeinsam” verstanden und treten auch beim Spartan Race in großen, sich gegenseitig ermutigenden Gruppen an. Teamspirit – für mich schon jetzt definitiv eines der Highlights hier in Bielstein auf der Moto-Cross-Strecke.

Spartan Race Köln 2014 Bericht

Keine Angst vor Schlamm und Steigung

Weiter geht es durch eine Schlammkuhle; hier werden zum ersten Mal an diesem Tag meine Füße so richtig nass. Als ich aus der Grube trete, läuft das Wasser nur so aus meinen REEBOK ALL TERRAINS heraus – hierfür sorgen die vielen kleinen Löcher im Obermaterial des Laufschuhs. Nach nur ein paar Schritten habe ich das Gefühl, dass meine Füße schon wieder trocken sind und das “schwere Wasser” komplett abgeflossen ist. Dankbar schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel, denn das Zusammenspiel von Wasser und Laufschuhen hatte mir bis zuletzt Sorgen bereitet (es gibt nichts schlimmeres, als zehn Kilometer in nassen Schuhen zu laufen, in denen die Fußsohle bei jedem Schritt unangenehm in die “Pfütze” platscht!).

Schon taucht der Wald vor uns auf, der uns die nächsten Kilometer während des SPARTAN SUPER den ein oder anderen Stolperstein in den Weg legen wird. Himmelhohe Tannen, leere Pfade und nur das Rascheln des Laubs und das Aufprallen der Schuhe auf dem Waldboden … Was nach totaler Idylle klingt, ist viel mehr die erste richtige Bewährungsprobe des Spartan Race. Es geht nämlich – schon wieder – bergauf. Und diesmal so richtig. Selbst das Gehen ist verflucht anstrengend, zumal der Waldboden uneben ist und wir immer wieder kleinen Ästen und Wurzeln ausweichen müssen. Wir sind gerade Mal zehn Minuten unterwegs und fühlen uns doch wie auf den letzten hundert Metern eines schnellen 10-Kilometer-Rennens. Puh.

Als wir endlich wieder (kurzzeitig) auf einigermaßen ebenen Wegen ohne Steigung laufen, geht es am Wald und an Feldern entlang, mitten durch eine wunderschöne Landschaft mit imposantem Blick über das umliegende Tal. Nur der erste von vielen atemberaubenden Naturszenen, die wir heute bestaunen dürfen. Da vergisst man als Stadtkind direkt mal das Schnaufen.

Spartan Race Köln 2014 Bericht Spartan Race Köln 2014 Bericht

Die Sache mit der Angst

Mein Puls hat sich gerade wieder erholt, als wir wieder in den Wald hineinjoggen. Hier erwartet uns die erste Begegnung mit Stacheldraht: Ganz unschuldig wurde er über eine einladende Matsch-Grube gespannt. Es hilft nichts, ab auf die Knie und drunter durch kriechen. Das machen wir mit links – und auch das nächste Hindenis, bei dem wir einen 12 Kilo schweren Sandsack einen Abhang hoch- und wieder runter tragen müssen, ist für uns kein Problem. Wer mehrmals in der Woche eine voll bepackte Hantelstange im Nacken hat und damit Ausfallschritte macht, der ist weitaus schlimmeres gewohnt. So passiert es also, dass ich richtig Freude an dieser Aufgabe habe und am liebsten mit dem Sack auf dem Rücken noch ein, zwei Runden mehr gedreht hätte.

[slideshow_deploy id=’6861′] Aber mit der ersten Wasserstation in Sichtweite entscheiden wir uns dann doch lieber dazu, unsere Kehlen zu spülen – keine schlechte Idee, denn nach einem weiteren Laufkilometer wird es wieder anstrengend: Ein Feld aus Autoreifen erwartet uns. Einfach nur über die Reifen zu springen, wäre natürlich zu langweilig – also bekommt jede von uns ein enges Tube, welches wir uns über die Knöchel ziehen müssen. Die Überwindung der Reifen fällt damit gar nicht so leicht, denn das Auseinanderziehen der Beine kostet mehr Kraft, als man glauben könnte.

Mit schweren Beinen geht es nach diesem Hindernis wieder tiefer in den Wald – bergauf, versteht sich. Die Läufer der vorangegangenen Welle kommen uns dabei entgegen und klatschen uns ab. “Aroo!” rufen wir uns zu und ermunternde Sprüche wie “Das schafft ihr!” hallen uns hinterher. Ich befürchte das Schlimmste; wir laufen gerade ganz sicher nicht auf eine Kissenschlacht zu. Was könnte es sein, das die anderen Läufer dazu bewegt, uns viel Erfolg zu wünschen und mit einem erleichterten Lächeln den Berg herunter zu rasen, offenbar darauf bedacht, möglichst schnell einen möglichst großen Abstand hinter sich und das Hindernis zu bringen?

Spartan Race Köln 2014 Bericht Spartan Race Köln 2014 Bericht Spartan Race Köln 2014 Bericht

Die Antwort versteckt sich zwischen ein paar Tannen abseits des Waldweges – ein gespanntes Kletternetz, an dem bereits mehrere Spartaner wie Spinnen hängen und sich nach oben ziehen. Gut, ganz so elegant wie die achtbeinigen Spinnentiere sehen sie nicht aus – und einige von ihnen bleiben auch nicht annähernd so ruhig. Auf den ersten Blick wirkt das Hindernis nicht allzu schwierig auf mich, und so klettern wir ohne zu zögern hinauf. Was ich nicht bedacht hatte – und mit mir ein paar andere Mädels, die sich in den Seilen festkrallen wie Klammeräffchen – ist die respekteinflößende Höhe, in die wir geklettert sind. Etwa vier oder fünf Meter über dem Boden hänge ich und soll jetzt einfach auf die andere Seite steigen und von dort hinab klettern.

Doch wie macht man das, wenn man in einem instabilen Netz hängt, das dank der anderen Spartaner ständig wackelt? Ich sage es ganz ehrlich: Ich habe wirklich Angst, beim Wechseln der Seite mit Karacho auf den Boden zu fallen. Das angsterfüllte Mädel, das seit gefühlten fünf Minuten unbewegt neben mir hängt und von ihrem Freund beruhigt werden muss, ist auch keine große Hilfe. Weil ich aber auch keine Lust habe, hier oben zu verhungern, muss ich eine Entscheidung treffen: Aufgeben, hinabklettern und 30 Burpees machen, oder die Zähne zusammenbeißen. Ich entscheide mich für letzteres und nach einer Schrecksekunde, in der ich tatäschlich glaube ich könne mich nicht mehr halten, habe ich es dann doch geschafft. Puh! Ein bischen stolz laufen wir zurück und diesmal sind wir es, die den uns entgegenkommenden Spartaner laut “Aroo!” und “Gebt alles!” zurufen.

Stark, stärker, Spartaner!

Es geht wieder tiefer in den Wald – zu neuer Kraftarbeit! Überall stoßen wir auf erschöpfte, aber nichtsdestotrotz strahlende Gesichter. Mit zersägten Baumstämmen in den Händen oder auf der Schulter müssen wir einen Zick-Zack-Parcour überwinden, der kein Ende nehmen will. Neben dem Gewicht des Holzes machen uns auch die vielen Baumwurzeln und Steigungen des Waldbodens zu schaffen. So langsam beginnen meine Waden, herumzuzicken.

[slideshow_deploy id=’6862′] Nichtsdestotrotz spüre ich heute ganz deutlich, wie positiv sich mein Intervalltraining auf mein Laufverhalten auswirkt; bereits wenige Sekunden nach dem nächsten anstrengenden “Aufstieg”, der mich komplett aus der Puste gebracht hat, jogge ich wieder ganz entspannt, gerade so, als ob ich das den ganzen Tag machen könnte. Also Leute, merkt euch fürs nächste Spartan Race: Sprint-Intervalle trainieren! Und weil ich es jetzt besser weiß, sollte ich wohl auch hinzufügen, dass ein bischen Hügeltraining ebenfalls nicht schaden kann … Ansonsten pfeift ihr nämlich bei Anstiegen genauso aus dem letzten Loch wie ich!

Bei aller neugewonnenen Erkenntnis, muss ich aber auch zugeben, dass man sich auf das, was als nächstes kommt, nur schwer vorbereiten kann: Ein langer, hoher Hügel, der auf den ersten Blick zwar erschreckend, aber nicht abschreckend aussieht. Das schaffen wir jetzt auch noch – immerhin haben wir angeblich bereits acht Kilometer zurückgelegt und sind schon wieder in unmittelbarer Nähe des Startbereichs. Doch während wir nach oben gehen (!!!), beschleicht mich der leise Verdacht, dass dies hier zwar das am unschuldigsten dreinguckende, aber dafür auch heimtückischte, Hindernis ist. Jemand nuschelt “Hier gibt es 50 Grad Steigungen auf hundert Metern – das habe ich noch nie erlebt.” Dito.

Gemeinsam mit durchtrainierten CrossFit-Burschen quälen wir uns Meter für Meter voran und müssen mehrmals anhalten, weil unsere Waden zu explodieren drohen. Wir haben etwa die Hälfte geschafft und ich bin fix und fertig. Ich drehe mich um und blicke in Dutzende gequält lächelnde Gesichter. “Wieso tun wir das eigentlich? Wir könnten doch jederzeit aufhören, nach Hause fahren und uns mit einem Stück Kuchen ins Bett legen!” frage ich mich, und mein Nebenmann scheint das gleiche zu denken. Wir sehen uns an, grinsen und denken jeder “Weil es einfach irrsinnigen Spaß macht!” Diese Momente der stummen Verständigung, in denen Sportler – oder in unserem Fall “Spartaner” – exakt den selben Schmerz spüren und sich nur durch Blicke und ein Lächeln gegenseitig zum Weitermachen motivieren, obwohl klar ist, dass keiner der beiden glaubt, auch nur einen Schritt weitergehen zu können – das ist es, was das Spartan Race prägt und was ich sonst nur von den letzten Kilometern eines Marathons kenne. Mit einem idiotischen Glücksgefühl im Bauch beiße ich die Zähne zusammen und wanke weiter in Richtung Horizont.

[slideshow_deploy id=’6865′]

Die erste Runde Burpees lädt uns zum Tanz

Nach einer gefühlten Ewigkeit (es waren vermutlich gerade einmal 5 Minuten) sind wir “oben” angekommen, doch Zeit zum Verschnaufen bleibt uns nicht, denn der schadenfrohe Helfer am nächsten Hindernis ermahnt uns, nicht stehen zu bleiben. Weil meine Beine vermutlich eh gleich wegbrechen werden – ob ich nun stehe oder weitergehe – schlurfen wir zu den XXL-Autoreifen, die wir an einer Eisenkette einen Teil des Hügels runter und wieder hoch ziehen müssen. Diese paar Meter sind ein Kinderspiel, schließlich haben wir eben eine endlose Steigung überwunden!

Im leichten Trab machen wir uns auf zum nächsten Hindernis, das sich als ebenso “einfach” herausstellt: Wir müssen über eine kleine Kletterwand hinüber, die den Blick auf ein tolles grünes Panorama freigibt. Hier sehen wir die Ausmaße des fiesen Hügels noch einmal in voller Pracht und sehen zu, dass wir ihn hinter uns lassen. Auf unserer “Flucht” begegnen wir ein paar Kühen, die uns verwirrt anstarren und sich vermutlich fragen, was Gott sich eigentlich dabei gedacht hat, als er diese bekloppten Menschen erschaffen hat, die ihre Freizeit damit verbringen, sich selbst zu quälen.

Es geht über ein weiteres Kletternetz-Hindernis geradewegs zum Hangeln – und damit zur ersten Station, bei der ich meine Burpees abliefern muss! Meine Hände in den nassen Handschuhen und mit den kraftlosen Fingern können sich nicht an den breiten Metallstangen halten, und so gehe ich ohne zu Murren in die BURPEE AREA. Die Burpees kommen mir nach all den vielseitigen, teilweise wirklich sehr harten Hindernissen gar nicht mehr so schwer vor – faszinierend, wie schnell unser Körper sich an extreme Anstrengungen gewöhnt.

[slideshow_deploy id=’6875′]

Von Speerwerfern und Wasserratten

Wir laufen weiter zum Speerwerfen, einem Hindernis, das es in sich hat: Wir haben nur einen Versuch, um mit dem Speer in einen Strohballen zu treffen (steckenbleiben muss er natürlich auch noch!). Birte und ich schauen ein paar Männern zu, die allesamt daneben werfen. Dementsprechend gering ist unsere Hoffnung, dass wir besser abschneiden könnten. Und dann: 3, 2, 1 – natürlich treffen wir nicht mal annähernd und begeben uns gesenkten Hauptes zu den anderen Spartanern in die gut gefüllt Burpee Ecke. Die Rentner, die hier als Aufpasser fungieren, haben Mitleid mit uns und lassen uns nach 20 Burpees keuchend und enttäuscht weiterziehen.

Unsere Laune hebt sich wieder, als wir beim Weiterlaufen das große Wasserhindernis erspähen, das wir bereits kurz nach unserer Ankunft bestaunt haben. Wenn das mal nicht das Highlight dieses Rennens ist! Ohne zu zögern laufen wir in das (für uns) brusttiefe und erfreulicherweise gar nicht so kalte Wasser.

[slideshow_deploy id=’6866′] Nun geht es wieder in den Wald, der sich im Verlauf des Rennens als wenig entspannt dargestellt hat. Eine Steigung jagt die nächste und führt uns direkt zum nächsten Hindernis; hier “dürfen” wir jeder einen schweren Backstein an einer Eisenkette hinter uns herziehen. Die Bodenbedingungen sind hierfür nicht gerade ideal, denn überall wuchern Wurzeln aus der Erde. Dazu bleibt der Stein auch immer wieder an herumliegenden Ästen hängen.

Es dauert eine lange, nervige halbe Runde, bis ich meine Technik ändere und wie eine Geisteskranke losstürme. Dank der freigesetzten Kraft und das hohe Tempo schaffe ich es, den Stein etwa fünfmal so schnell zum Ziel zu ziehen, wie ich für die erste Hälfte des Weges gebraucht habe. Mit schweren Armen müssen wir uns nun an einem Seil eine Waldwand hinaufzuziehen und uns im Anschluss noch ein ganzes Stück bergauf schleppen, bevor der Weg wieder einigermaßen steigungsfrei ist. Die Freude über einen entspannten Trab auf ebener Fläche ist allerdings nur von kurzer Dauer.

Nachdem wir beim Tau-Klettern versagen – etwas, das ist zuletzt in der vierten Klasse im Sportunterricht gemacht habe -, geht es wieder ins Wasser. Diesmal ist es nicht tief, dafür aber kalt und die Distanz, die wir hindurch waten, zäh wie Kaugummi. Abgesehen von kurzen Strecken, die wir auf Waldboden zurücklegen, bringen wir in dem Bächlein sicher einen ganzen Kilometer hinter uns. Meine Füße werden langsam kalt und das Gehen auf den vielen Steinen auf dem Grund des Baches ist eine Frage der Geschicklichkeit. Wir müssen gut aufpassen, wo wir hintreten, lassen uns allerdings auch ein wenig gefangen nehmen von der tollen Atmosphäre.

Ich fühle mich in meine Kindheitstage zurückversetzt, als ich in Österreich stundenlang in irgendwelchen Bächen herumgelaufen bin – einfach, weil es so viel Spaß gemacht hat. Dazu kommen die motivierenden Rufe der Spartaner, die schon durchs Ziel gelaufen sind und jetzt sich selbst und ihre Klamotten im Bach waschen. Eine größere Männergruppe hat sich für ihre Körperhygiene einen strategisch besonders ungünstigen Platz direkt an der Streckenabgrenzung gesucht und winkt und ruft uns im Adamskostüm zu. Für die Herren ein etwas missratener Flirtversuch (too much information!), aber für uns eine erheiternde Abwechslung!

[slideshow_deploy id=’6874′]

Immer höher hinaus

Die letzten Kilometer zum Ziel beschäftigen sich nochmal mit Hürden und Steigungen, Steigungen, Steigungen. Die Kraft in den Beinen verlässt uns langsam und der immer stärker werdende Regen tut seinen Rest. Immerhin: Das grobe Profil meines ALL TERRAINS hält mich fest auf dem Boden, während andere auf dem matschigen Waldboden rutschen und wanken. Obwohl ich die Schmerzen in jedem einzelnen Gesicht lesen kann, strahlen mich meine Mitspartaner glücklich an, als wir endlich den gefühlt dreißigsten Abhang hinauf krackseln und jemand in ein paar hundert Metern Entfernung ruft:”Nach dieser Kurve kommt das Ziel!”

Wir mobilisieren nochmal all unsere Kraftreserven, hechten den vor uns liegenden Hügel hinab und biegen um die Ecke. Da sind sie, die letzten Hindernisse vor dem Ziel! Als erstes wartet das Stacheldraht-Feld auf uns, das uns zwingt, im Matsch vorwärts zu robben. Wer den Po zu sehr nach oben reckt, bleibt hängen!

Einige Spartaner rollen sich den kleinen Hügel hinab, eine Technik, die ganz und gar nicht zu empfehlen ist; Man kommt zwar schnell weiter, jedoch wird man mit einem schönen Drehwurm belohnt, wenn man wieder aufsteht! Wir haben Glück, denn der sinnflutartige Regen hat den Matsch noch flüssiger und den Boden zu einer Rutschbahn gemacht. Mit etwas Kraftaufwand können wir uns nahezu elegant und noch dazu schnell durch die braune Suppe schieben. Einige von euch werden jetzt vielleicht denken:”Igitt!” Aber mla ehrlich: Wann habt ihr euch zuletzt in Matsch gesuhlt? Es macht noch mindesten genauso viel Spaß wie im Kindergarten!

[slideshow_deploy id=’6876′] Das nächste Hindernis ist bei diesem Schietwetter eine noch größere Herausforderung als zu Beginn des Tages. Sich an einem Tau eine schräge, mit Matsch besudelte Wand hinaufziehen, und zwar mit nassen, matschigen Händen, ist schier unmöglich. Beim ersten Versuch rutsche ich sofort wieder hinab – beim zweiten stemme ich mich mit eisernem Willen gegen das Holz und ziehe mich mit aller Kraft nach oben. Zentimeter für Zentimeter schaffe ich es nach oben, doch just in dem Moment, in dem ich mein Bein auf die andere Seite umsetzen will, segle ich wieder hinab. Das war’s – meine Energiespeicher sind leer, meine Arme so kraftlos wie zwei gegarte Spaghetti. Resignierend wanke ich zur Seite, wo ich mit einigen anderen ein paar letzte Burpees absolviere. Ganz ordentlich mache ich sie, denn sie fallen mir so irrsinnig leicht – verrückt, wo ich doch eigentlich körperlich ziemlich am Ende bin.

Spartan Race Köln 2014 Bericht

Theorethisch wird es jetzt heiß, denn der spektakuläre Fire Jump ist der krönende Abschluss des Laufs. Der Regen hat dem Feuer allerdings ganz schön zugesetzt, und so springen wir eher über ein Flämmchen. Eigentlich hätten wir auch direkt hindurchgehen können, so nass und schwer entflammbar wie wir sind. Doch der “Spirit” überwiegt und mit ein paar letzten Laufschritten überqueren wir die Ziellinie.

Spartan Race Köln 2014 Bericht Spartan Race Köln 2014 Bericht

Wir sind Spartaner!

Komplett durchnässt, aber sauglücklich, lassen wir uns unsere Medaillien umhängen und spülen die Erschöpfung mit einem alkoholfreien Bier hinunter. 2:33 Stunden haben wir für die etwa 12 Kilometer lange Strecke gebraucht – es kam mir viel, viel kürzer vor! All die Hindernisse, über die wir uns gequält haben, all die fiesen Steigungen und der matschige Waldboden liegen hinter uns, und noch während ich mir den Matsch aus den Augen wische, wird mir klar: Ich will mehr davon!

Das Reebok SPARTAN RACE hat mir alles abverlangt und gleichzeitig so viel gegeben: Schweiß, Mut, grandiose Aussichten über eine fabelhafte Naturkulisse, die Chance, Ängste zu überwinden, neue Muskeln zu erwecken und stärker zu werden. Das Gefühl von Gemeinschaft und Vertrauen zu völlig fremden Menschen, die einen über Hindernisse heben, einen auffangen oder motivieren. Das Gefühl aus Kindertagen, sich so richtig austoben zu können, völlig frei von allem, was uns sonst zurückhält und uns zu “vernüftigen” Erwachsenen macht. Natürliche Hindernisse, die wir verflucht, aber gleichzeitig auch geliebt haben, weil sie uns im Nachgang ein Glücksgefühl beschert haben, das seinesgleichen sucht.

Keine Frage, das SPARTAN RACE ist tough. Aber – und das ist das beste daran – jeder kann es schaffen! Und auch wenn man “nur” die 5+ Kilometer beim SPARTAN SPRINT absolviert, ist der Lauf ein unvergessliches Erlebnis. Niemand muss Angst haben, wenn er nicht über eine Hürde springen oder klettern kann, denn ihr könnt euch sicher sein, dass vor, hinter oder neben euch jemand ist, der euch hilft. Niemand bleibt zurück. Das ist der Teamspirit, den wir im Warm-Up so eifrig geübt haben: “Aroo!”

In diesem Sinne hoffe ich, euch beim nächsten SPARTAN RACE irgendwo zwischen Stacheldraht, Matsch und Feuer zu treffen. Übt bis dahin fleißig Burpees – die kann man ganz sicher auch dann wieder gebrauchen!

Aroo!

Spartan Race Köln 2014 Bericht

In Zusammenarbeit mit Reebok

Spartan Race Köln 2014 Bericht

1 Comment

  1. Jana

    24. October 2014 at 12:07

    Hallo Jenny,

    ich bin durch meine mehrmalige Teilnahme an Tough Mudder Events schon erprobt in solchen matschigen Läufen und kann nur sagen, dass diese Events insbesondere uns Frauen bis an unsere körperlichen Grenzen bringen können.

    Auch scheint das reguläre Lauftraining in den Tagen danach wie Automatismus und ohne großartige Anstrengung. Höchstwahrscheinlich werde ich in 2015 neben Tough Mudder auch noch andere derartige Hindernisläufe in Betracht ziehen, und das Spartan Race kommt dank Deines wunderbaren Berichtes in die engere Auswahl.

    Viel Erfolg und hab viel Spaß beim Training!

    Jana

Leave a Reply

More in Laufen & Training

 

Bleib auf dem Laufenden!

 

Erhalte alle 2 Wochen die besten Tipps und Artikel aus den Bereichen:

Lass einfach Deine E-Mailadresse hier und erhalte zusätzlich mein Oatmeal-Rezepte-eBook!

Jetzt zum Newsletter anmelden!