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Reebok Spartan Race Super Köln 2015: Schwere Beine, entspannte Kühe und der matschige Weg ins Ziel

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Auf diesen Lauf hatte ich mich bereits seit Monaten gefreut: Das Reebok Spartan Race Super fand zum wiederholten Mal in Wiehl bei Köln statt. 12 Kilometer und 20 Hindernisse warteten auf 3.500 Spartaner, die keine Angst vor Drecks und Hügeln hatten. Nach meinem Spartan Sprint im April in München war dies die zweite Station auf meinem Weg zur Trifecta Medaille, die ich mir als Ziel für dieses Jahr gesetzt hatte.

Samstag, 27.06.2015: Als ich morgens aufwache und aus dem Fenster sehe, fällt mir neben dem dunklen Himmel vor allem eins auf: Regen über Wiehl. Prinzipiell habe ich nichts gegen Regen bei einem Lauf, erst Recht nicht, wenn man sich wie ich heute ohnehin immer wieder im Schlamm suhlen muss. Praktisch sorgt der Regen aber leider auch dafür, dass die Laufstrecke durch den Bielsteiner Wald und über das Moto-Cross-Gelände völlig aufgeweicht ist – und das macht das ohnehin sehr harte Rennen noch härter. Demnentsprechend groß ist auch mein Respekt, als wir um halb zehn an der Strecke ankommen und direkt im Matsch versinken. Klar, ich weiß, was in etwa auf mich zukommt, dennoch bekomme ich es langsam mit der Angst zu tun.

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Ob ich gut vorbereitet bin? Krafttechnisch habe ich beim CrossFit in jedem Fall ein paar wirklich gute Grundlagen für das Reebok Spartan Race geschaffen, doch mir macht meine Ausdauerleistung Sorgen. Aufgrund von Krankheit konnte ich in den letzten Monaten nur sehr wenig laufen, und wenn, dann waren es Intervall- oder Bergläufe, bei denen ich immer wieder Verschnaufpausen eingebaut habe. Mit der Atmung habe ich noch immer Probleme, doch das „Go“ meines Arztes habe ich trotzdem bekommen, denn was immer die Ursache für meine miese Sauerstoffsättigung im Blut ist, die wichtigsten Organe wurden durchgecheckt. Und obwohl ich mich wirklich schon so lange auf den Spartan Super gefreut habe, habe ich ein paar Minuten vorher doch ein paar Bedenken und Versagensängste. Was, wenn mir schon nach ein paar Kilometern die Puste ausgeht oder ich nicht genug Kraft habe, die Hindernisse zu bewältigen?

Ehe ich es mir anders überlegen kann, brechen um mich herum Schlachtrufe aus. „Aroo! Aroo! Aroo!“ Wir stehen mit etwa zwanzig weiteren Sportlern im Startbereich und feuern uns gegenseitig an, machen uns Mut. Mittlerweile hat sich die Sonne hervorgetraut und brennt auf mein Gesicht hinab. Zum Aufwärmen gibt es Jumping Jacks, Burpees und Squats – dabei saugt der tiefe Matsch unsere Schuhe an, als hätte er Saugnäpfe und das Springen wird zur ersten Hürde an diesem Tag. Ein Mädchen hinter mir verliert zwischendurch ihre Schuhe, die einfach im Matsch steckenbleiben. Das geht ja gut los …

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Wir spornen uns noch einmal alle gegenseitig an und dann heißt es: Start! Die ersten preschen nach vorne, als wollten sie nur einen kurzen Sprint hinlegen. Ich winke ihnen gedanklich zum Abschied und sehe zu, dass ich möglichst langsam vorantrabe, denn vom letzten Spartan Race weiß ich noch, wie schwierig es vor allem auf den letzten Kilometern ist, noch einmal Kräfte zu mobilisieren, wenn man am Anfang zu schnell ist. Dass schnelles Laufen ohnehin nicht angebracht ist, sehe ich, als ich um die Ecke blicke und dort den ersten Hügel des Tages erspähe. Es geht Feld hoch, Feld runter, Waldweg hoch, Waldweg runter – und das ist genau das, was die Kulisse in Wiehl zum absoluten Liebes- und Hassobjekt zugleich macht. Schon auf dem ersten Kilometer haben wir eine wunderschöne Aussicht auf das bergische Land und laufen an grünen Wiesen, bunten Wildblumen und dösenden Kühen vorbei, die sich vermutlich fragen, wie Gott solch beschränkte Lebewesen erschaffen konnte, die bei schwülwarmem Wetter in der Sonne die Berge hochrennen.

Die ersten Hindernisse lassen nicht lange auf sich warten: Die Hürden, über die man klettern (im Idealfall vermutlich springen) und unter denen man hindurch klettern soll. Kein Hexenwerk, aber mit all dem Schlamm unter den Schuhen wird das Ganze doch etwas kniffelig. Also konzentrieren, mit den Armen hochziehen und den Körper auf die andere Seite wuchten. Gottseidank bewähren sich heute bereits zu Beginn wieder meine heißgeliebten All Terrain Schuhe, die ich bereits bei den letzten beiden Spartan Race Events und beim Trailrunning in Österreich getragen habe. Geschafft. Hindernis 1 von 20. Das einfachste an diesem Tag.

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Da ich den Super in Wiehl schon einmal im letzten Jahr gelaufen bin, weiß ich, dass da noch eine Menge auf mich zu kommt. Die einfachen Sachen sind das Reifen werfen, im CrossFit-Jargon auch „Tire Flip“ genannt, was ich beim Spartan Sprint in München bereits mit CrossFit-Profis Gregor Schregle üben durfte; die Wasserrutsche, die mich direkt in ein Schlammloch befördert, oder auch das Balancieren auf drei Baumstämmen, die zwar schon glitschig von den Matschfüßen vor mir sind, aber auf denen ich mich mit Konzentration und Bedacht dennoch bis zum Schluss halten kann. In der Ruhe liegt die Kraft.

Wo ich jedoch auch mit Geduld nicht weiterkomme, ist das Hangeln – mit von Matsch und Wasser getränkten Handschuhen und meinen ohnehin relativ kraftlosen Händen stürze ich hier direkt den 30 Burpees entgegen. Immer wieder springe ich hoch, knalle auf den Boden, mitten in die braun-klebrige Brühe auf dem Boden. In diesem Moment hasse ich sie, die Burpees – ohne zu wissen, dass sehr schnell der Moment kommen wird, in denen ich sie herbeisehne.

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„Scheiße, ich würde lieber 100 Burpees machen als das hier“, schimpfe ich nur eine halbe Stunde später keuchend und schiele wütend zu dem Baumstamm auf meiner Schulter, den ich verzweifelt den Berg hochzuhieven versuche. Meine Waden brennen, meine Beine zittern. Wer auch immer sich dieses Hindernis ausgedacht hat, der muss die Teilnehmer hier wirklich sehr verabscheuen.

Zum ersten Mal beim Spartan Race bin ich an dem Punkt, dass ich es hasse. Dass ich mich dafür hasse, dass ich diesen Wahnsinn unbedingt wieder mitmachen wollte. Dass ich die Streckenplaner dafür hasse, dass sie in diesem Jahr noch viel fieser mit den vielen Steigungen und Hügeln spielen als im vergangenen Jahr. Am liebsten würde ich den Baumstamm einfach fallen lassen, von diesem blöden Berg runterklettern und mich an den Rand setzen, um zu schmollen. Doch das tue ich nicht. Denn vor, neben und hinter mir wird ebenfalls gekeucht. Geschimpft. Und dann macht irgendwer einen Scherz und wir lachen. Schöpfen aus dem Nichts neue Energie, wenigstens für ein paar Meter, bevor von irgendwo wieder ein neuer Motivationsschub kommt. Als ich endlich oben bin, kann ich es gar nicht erwarten, runterzukommen und überhole ein paar Läufer, die das umgekehrte Problem haben: Sie stört nicht das steile Gelände, sondern das Gewicht auf der Schulter. Und so hassen wir alle an diesem Tag etwas anderes.

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Unten angekommen bete ich, dass dies das einzige Hindernis mit „Bergsteigeranforderungen“ war. Dazu kann ich nur sagen: Mein Wunsch wurde nicht erhört …

Neben dem Umstand, dass wir einen Sandsack einen Hügel hoch und runter hieven müssen und dann nochmal – gnädigerweise ohne zusätzliches Gewicht – einen mit Hölzern und Ästen völlig überwucherten Berg hochgescheucht werden, welcher sich als perfekte Stolperfalle erweist, geht es auch beim Seilkettern und beim Klettern über ein im Wald gespanntes Netz um Höhe. Immerhin: Das war es dann mit den richtig fiesen Hindernissen und ich erfreue mich an weitaus spaßigeren Aufgaben: Speerwerfen (dieses Mal hätte ich es vermutlich sogar geschafft – wenn ich nicht mit einem Fuß auf dem Seil gestanden hätte, an dem der Speer befestigt war …) , durch Matschkulen und einen See waten, unter Stacheldraht hindurch kriechen und –rollen, bis mir ganz schwindelig wird oder über einen Parcours aus Autoreifen rennen.

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Obwohl die Zeit bei den „Hügelhindernissen“ überhaupt nicht zu vergehen schien, befinde ich mich viel schneller in Ziel-Sichtweite als gedacht. Was? Nur noch vier Hindernisse und dann ist das Reebok Spartan Race schon wieder vorbei? Nein, das kann doch nicht sein! Am liebsten würde ich noch weiter laufen – ein ziemlich kranker Gedanke, wenn man bedenkt, dass ich in den vergangenen drei Stunden so oft innerlich (oder auch laut) geflucht habe, mir meine Knie und Ellenbogen aufgescheuert und garantiert den einen oder anderen blauen Fleck kassiert habe. Und doch denke ich jetzt: War das geil! Ich will nochmal!

Mit einer Mischung aus Wehmut und Motivation klettere ich die Netz-Brücke hinauf – der Schrecken der Höhe und der des wackeligen Netzes hat nun, beim dritten Mal, die ich dieses Hindernis nun schon besteige, seine Wirkung verloren und ich genieße die Aussicht von oben, direkt auf die rutschige Kletterwand, an der Spartaner um Spartaner abrutscht. Vor diesem Hindernis graut es mir im Vorfeld irgendwie immer am meisten: Du weißt, dass du gleich im Ziel bist, alle feuern dich an, doch dann werden dir deine matschigen Schuhe, die kraftlosen Finger und das Wasser, das von oben das Holz herunterschießt, zum Verhängnis und du segelst ungalant gen Boden …

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Während ich im letzten Jahr in Wiehl grandios versagt habe und auf den letzten Metern noch einmal Burpees einlegen musste, ging es in München beim Sprint schon besser – wenn auch nicht ohne fremde Hilfe. Auch jetzt sitzen wieder ein paar freundlicher Spartaner oben, um all denen zu helfen, die sich nicht mehr aus eigener Kraft hochziehen können. Ihre Zielzeit ist ihnen egal – wichtig ist nur, dass auch die anderen ins Ziel kommen. Und so greife ich dankbar nach der Hand des Kerls, der mich ein Stück zu sich zieht, als ich ganz oben angekommen bin und relativ ratlos und überfordert da stehe, weil ich irgendwie gar nicht damit gerechnet hatte, mich an dem rutschigen Holz überhaupt so weit hochziehen zu können.

Ein kurzer Sprint durch ein Feld aus Boxsäcken und dann wartet das letzte Hindernis für heute auf mich: Der Fire Jump!

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Ich bin völlig überwältigt, dass ich das Rennen trotz meiner Atemnot bewältigt habe, und dass trotz der Anstrengung und der Schmerzen auf wundersame Weise nur noch Glück, Zufriedenheit und Stolz übrig bleibt.

Dankbar nehme ich meine Medaille und den Trifecta-Splitter entgegen – Mission 2/3 completed! Ich wasche den Matsch aus meinen Klamotten und vom Körper, trinke ein alkoholfreies Bier und denke an den letzten Stop meiner Spartan Race Reise: Am 12. Und 13. September geht es in den Kitzbüheler Aplen in Österreich weiter mit dem Abenteuer, an dessen Ende die von mir so langersehnte Trifecta-Medaille warten wird! Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt und werde in jedem Fall noch ein paar Hügelläufe zur Vorbereitung absolvieren – sonst sehe ich da nämlich schwarz für eine Flachlandläuferin wie mich …!

Wenn ihr euch auch auf einen Abenteuerlauf wie das Spartan Race vorbereiten wollt, findet ihr hier meinen kostenlosen 30-Tage-Trainingsplan für Hindernisrennen!

Hier findet ihr noch ein kleines Video mit Eindrücken vom Lauf:

In matschig-freundlicher Zusammenarbeit mit Reebok

3 Comments

  1. Mietze

    19. July 2015 at 09:12

    uff das sieht nach ner Menge Anstrengung aus. Da ist die Cross Challenge in Berlin ja nix dagegen. Mir machen solche Hindernisläufe ja auch echt Spaß, aber ich weiß nicht ob ich sone Distanz in Angriff nehmen würde. In Berlin warens nur 13km:D Viel Erfolg dann in den Alpen

  2. Steph

    20. July 2015 at 10:39

    Da kriege ich immer mehr Lust auf meinen Matsch-Lauf Ende August 😀
    Mag deine Race-Berichte immer sehr!
    LG
    Steph

  3. jahnsterley

    25. September 2015 at 16:22

    Hi Jenny,

    sehr cool, dass Du beim Spartan-Race mitgemacht hast. Ich bin ja ein größerer Tough Mudder Fan aber gerade wer es etwas kompetitiver mag kommt um das Spartan Race nicht drumrum. Ich bin dieses Jahr auch eins gelaufen und habe nächstes Jahr möglicherweise die Trifecta im Auge.

    Ich bin kürzlich übrigens als Alternative einen coolen Hindernislauf gelaufen, der auch sehr gut für Anfänger geeignet ist. Der Survival-Run powered by Puma im Serengeti-Park: http://fitvolution.de/survival-run-hodenhagen-der-einsteiger-hindernislauf-im-sergengeti-park/

    Hast Du solche Läufe jetzt öfter vor? Dann sieht man sich vielleicht sogar mal auf der Strecke. 😉

    LG
    Jahn

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