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Weltrekord und wackelige Beine – Der Berlin Marathon 2014

42,195 Kilometer – auf diese Strecke gespickt mit Dutzenden Berliner Sehenswürdigkeiten wagten sich gestern um die 40.000 Läufer. Wer selbst schon einmal einen Marathon gelaufen ist, der weiß, welches Gefühlschaos man dabei durchlebt – ansonsten stellt euch einfach vor, ein Troll würde euch zwei LKWs mit Seilen an die Hüfte binden und euch einen Topf voll Glück versprechen, wenn ihr damit eine Runde auf dem Regenbogen lauft. Ihr wisst, dass das unmöglich und absolut absurd ist – und dennoch versucht ihr es. Warum? Tja, das ist der Zauber des Marathons. Er macht das Unmögliche möglich.

Ich hatte in diesem Jahr das große Glück, einen Startplatz von Holiday Inn gestellt zu bekommen, und gleichzeitig das Pech, mich mitten im Training sehr heftig zu verletzen. Nach Berlin bin ich natürlich trotzdem gekommen und hatte ein paar kleine Überraschungen für alle Marathonis im Gepäck.

6:30 Uhr: Der Wecker klingelt. Im Frühstücksraum des Hotels ist bereits nichts mehr von den knapp 200 Läufern zu sehen, die im Holiday Inn abgestiegen sind. Für mich beginnt der Tag dagegen ganz entspannt, während ich mir mein Brötchen schmecken lasse und die Route für später plane.

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8:00 Uhr: Mit der U-Bahn geht es zu Kilometer 15, 37 und schlussendlich 35, wo ich meine Motivationsplakate aufhänge. Die Streckenposten sind wahnsinnig nett und empfehlen mir die besten Plätze für die Schilder, nicht ohne sich direkt das ein oder andere Schild zum Nach-Hause-Mitnehmen zu reservieren. Es ist ein erhabenes Gefühl, über die noch unberührte Strecke zu laufen, und obwohl ich heute nur Zuschauer bin, befällt mich der Marathonzauber bereits nach ein paar Minuten. An der Cheer Zone von Holiday Inn werden bereits fleißig Klatschpappen gefaltet und Traubenzucker und Weingummi bereit gelegt. Die Läufer können kommen!

10:30 Uhr: An Kilometer 35 düsen die ersten Äthiopier vorbei, um neue Weltrekorde aufzustellen. Dennis Kimetto schafft es in unglaublichen 2:02:57 ins Ziel, die schnellste Frau ist Tirfi Tsegaye mit 2:20:18 – die Deutschen können da zwar nicht mithalten, doch dafür bekommen sie ganz besonders viel Support an der Strecke. Prominentester Fan heute dürfte Joey Kelly sein, der extra für Anna Hahner Plakate hat drucken lassen, die er eifrig unter den Zuschauern verteilt. Die #GoAnna-Schilder sind ein Dankeschön dafür, dass Anna Joey in der vergangenen Woche als Inspiration und Motivation genannt hatte und als Grund dafür, dass sie mit dem Laufen angefangen hatte. Als Anna nach knapp zwei Stunden an uns und Joey vorbeiläuft, steht ihr die Freude ins Gesicht geschrieben. Überraschung geglückt! Gefinisht hat sie letztendlich als siebte in einer atemberaubenden Zeit von 2:26:44!

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11:15 Uhr: Das Läuferfeld wird immer dichter. Hier kämpfen gerade die ambitionierten Hobbysportler um die letzten Sekunden zu ihrer Bestzeit. Ich habe inzwischen die zuckersüßen Snacks ausgepackt, die ich unter der erschöpften Meute verteilen möchte. Schnell wird klar: In diesem Läuferfeld ist jede Millisekunde zu kostbar, um sie mit einem Griff zur Schokolade zu vergeuden. Etwas enttäuscht trolle ich mich wieder an den Streckenrand und finde Zeit, um mit Joey Kelly über das Thema Motivation und Regeneration zu sprechen und Vreni von neverever.me zu drücken.

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12:15 Uhr: Die Schokolade ist der Renner! Ich komme gar nicht nach mit dem Auffüllen meines Tellers, auf den sich mittlerweile auch die Dextro Energy Vorräte von Holiday Inn geschlichen haben. Es ist wundervoll, wie sich die vorbeikommenden Läufer freuen! „Dich schickt der Himmel“, „Du bist ein Schatz“, „Genau das brauche ich jetzt, danke“, sind nur einige der Sätze, die ich heute aus strahlenden Gesichtern zu hören bekomme.

Weil es langsam doch Zeit für etwas „Power“ wird, krame ich mein letztes Schild hervor, das ich ganz bewusst nirgends aufgehangen habe: „Touch for power“ ! Plötzlich schwindet das Interesse für Schoki & Co. der auf mich zukommenden Meute und scheinbar jeder möchte das Plakat berühren. Die Marathonis stürmen sogar von der anderen Seite der Laufbahn zu mir hinüber, klatschen das Papier ab und bedanken sich so innig und dankbar, als habe ich ihnen einen Koffer mit Geld geschenkt. Ich bin ehrlich gerührt, denn sie sind es doch, die hier großes vollbringen und nicht ich. „Thank you so much, I really need that“, „Gracias“ oder „“God bless you“ ringen sich die Läufer mit letztem Atem ab und ich weiß plötzlich ganz genau, dass es genau die richtige Entscheidung war, anzufeuern anstatt selbst mitzulaufen und mich dabei vermutlich den Schmerzen meines Lebens auszusetzen. Nein, heute gefällt es mir wirklich verdammt gut am Streckenrand!

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13:00 Uhr: Meine Vorräte sind so gut wie geplündert und mein Arm ganz lahm vom Halten des Schilds, in das einige Läufer förmlich hineinboxen – ein Energieschub, den sie bitter nötig haben. Immer wieder kommen mir die ersten Marathonis gehend entgegen und lassen sich nur bedingt durch Joeys und meine Motivationsrufe zum Weiterlaufen motivieren. Der Kampf gegen den inneren Schweinehund scheint von Minute zu Minute härter zu werden. Ich verteile emsig Schokolade und Weingummi, während Joey sich kurzerhand das Holiday Inn Catering schnappt und unter den Läufern verteilt.

Die Stimmung an Kilometer 35 ist der Wahnsinn! An beiden Seiten wedeln die Zuschauer mit den Holiday Inn Klatschpappen und feuern die Marathonis an, denen die 42 Kilometer nicht so leicht von der Hand zu gehen scheinen, wie den superschnellen Läufern, die bereits vor einer Stunde an uns vorbei gesaust sind, ohne auch nur eine Spur der Erschöpfung zu zeigen.

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14:00 Uhr: Die Reihen lichten sich und mehr und mehr Läufer gehen. Die einen humpeln, die anderen halten sich die Seite, wieder andere stützen sich erschöpft an der Bande ab und kämpfen um ihren Kreislauf. Ich kann ihr Gefühl nur zu gut nachempfinden, weiß aber auch, dass sieben Kilometer jetzt noch zu schaffen sind. Selbst mit Gehen kämen sie nicht vor dem Besenwagen ins Ziel; es wird also angefeuert was das Zeug hält!

14:30 Uhr: Krämpfe, Erschöpfung, Wut: Hier helfen auch Süßigkeiten nicht mehr. Die vereinzelten Läufergruppen, die nun noch an uns vorbeikommen, wollen nur noch eins: Es endlich hinter sich bringen. Ihren konzentrierten Tunnelblick habe ich heute schon einmal gesehen, und zwar bei der ganz schnellen Gruppe, die eine verdammt ambitionierte Bestzeit vor Augen hatte. Von dieser können die angeschlagenen Läufer hier gerade nur träumen! Sie kämpfen sich verbissen durch, sehen weder nach links noch nach rechts und befinden sich in ihrem ganz intimen, eigenen Rennen gegen ihre körperlichen Grenzen. Ihre Willenskraft ist bewundernswert!

14:45 Uhr: Der Besenwagen kommt! Zwar ist groß “VIP” darauf zu lesen, aber die traurigen Gesichter der Insassen kann das auch nicht aufmuntern. Ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, wie schlimm es sein muss, von so einem Ding mitten auf der Strecke aufgegabelt zu werden! Immerhin, die Läufer, die hier noch auf der Strecke sind, dürfen die letzten sieben Kilometer weiterlaufen – ein knappes Dutzend Marathonis kommt noch nach dem Bus die Kurfürstenstraße entlang gehumpelt. Extremen Eindruck auf mich macht der vermutlich letzte Läufer, hinter dem bereits die ersten Autos fahren und vor dem schon Teile der Streckensperrungen abgebaut werden. Er lässt sich von den noch anwesenden Zuschauern motivieren, lacht, strahlt – und lässt sich den Stolz, bereits so weit gekommen zu sein, nicht nehmen!

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Der Berlin Marathon war ein Wahnsinnsspektakel, das mir auch als Zuschauerin extrem viel Freude bereitet hat. Nächstes Jahr werde ich hoffentlich endlich selbst mitlaufen, wenn nicht wieder eine ollle Verletzung dazwischen kommt. In Berlin habe ich allerdings gelernt, dass Anfeuern manchmal sogar mehr Spaß macht, als mitzulaufen. Denn ich verlasse die Stadt mit hunderten dankbaren Gesichtern und jeder Menge Umarmungen und Dankessprüchen im Gepäck! Marathonis, ihr ward super!

4 Comments

  1. Markus

    29. September 2014 at 11:53

    Super Unterstützung!
    Auch wenn ich nicht dabei war – genau so sollte es sein.

  2. Kristin

    2. October 2014 at 15:52

    Ganz ganz toll, liebe Jenny! Wenn ich mein Marathondebüt laufe, möchte ich dich als Unterstützung auch dabei haben…echt total süß!! 🙂

  3. Jenny

    Jenny

    5. October 2014 at 20:06

    Wenn ich dann nicht selber endlich wieder laufe stehe ich dir bei deinem Debüt mit Schoki und Motivation zur Verfügung Kristin 😉

  4. Pingback: Marathonrucksack-Gewinnspiel | Being Fit Is Fun Fitnessblog

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